Azzurro



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2010
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Kleines Gedichtchen ...



Kleines Gedichtchen,
Ziehe denn hinaus!
Mach ein lustiges Gesichtchen,
Merke dir aber mein Haus.
Geh ganz langsam und bescheiden
Zu ihr hin, klopf an die Tür,
Sag, ich möchte sie so leiden,
Doch ich könnte nichts dafür.
Antwort, nein, bedarf es keiner.
Sprich nur einfach überzeugt.
Dann verbeug dich, wie ein kleiner
Bote schüchtern sich verbeugt.
Und dann, kleines Gedichtchen du,
Sag noch sehr innig: "Geruhsame Ruh."

Joachim Ringelnatz

Nickname 21.03.2010, 13.24 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Joachim Ringelnatz

Späte Reue ...



  
Die Sterne am Himmel, so funkelnd so frei,
die Blätter am Boden, sie wirbeln vorbei,

Die Sonne geht unter, der Mond dafür auf,
der Fluss fliesst so ruhig, er nimmt seinen Lauf

Die Tränen vergossen, das Lachen vergangen
das Herz ist gebrochen, es bleibt das Verlangen

Das Leben scheint sinnlos, was ist es noch wert?
Die Liebe verloren, die Chancen verwehrt,

Die Augen verweint, die Farben verblasst,
die Zeit ist vergangen, sie wurde verprasst.

Der Gedanke an früher, er schmerzt noch so sehr,
Erinnerungen blieben, doch leider nicht mehr.

Die Seele am Trauern, man fühlt sich allein,
Wann heilen die Wunden? Wann wird es so sein?

Verwirrt und verlassen, verletzt und verstreut,
erwacht und
erschrocken, ich hab es bereut.

Anonymus

Nickname 15.03.2010, 14.47 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

Primel ...



Lerche zu des Frühlings Ruhme
Hat ihr Erstlingslied gesungen,
Blumenerstling Schlüsselblume
Hat sich goldnem Kelch entrungen.

Blümchen, bist zu früh gekommen!
Mitternacht haucht noch so kalt.
Hast den Schnee nicht wahrgenommen?
Feucht ist noch der Eichenwald.

Schließ die goldnen Äuglein wieder,
Birg dich in der Mutter Schoß,
Eh' der Reif dir mitleidslos
Starren macht die zarten Glieder.

Unsre Tage Falterstage,
Morgen Leben, Mittag Sterben.
Ganzem Herbst ich gern entsage,
Einen Lenztag zu erwerben.

Willst den Freunden Kränze bringen,
Oder der Geliebten dein?
Wirst aus meiner Blüt' ihn schlingen,
Soll's der Kranz der Kränze sein.

Unterm Gras, in wildem Hain
Keimtest du, geliebte Blume,
Klein an Wuchs, an Glanze klein,
Darfst du späh'n nach solchem Ruhme?

Wo sind deiner Schönheit Pfänder,
Wo der Tulpe stolzer Bund?
Wo der Lilie Lichtgewänder,
Wo der Rose Brust so rund?

Will zum Kranze dich verflechten,
Doch woher so viel Vertraum?
Freunde und Geliebte, möchten
Sie auch huldvoll auf dich schaun?

Glaub's, der Freund heißt mich willkommen,
Mich, des jungen Frühlings Engel,
Glanz nicht mag der Freundschaft frommen,
Schatten liebt sie wie mein Stengel.

Ob ich wert der Liebsten Hände,
Sag's, Marie, du himmlisch hehre!
Für der Erstlingsknospe Spende
Wird mir, ach! nur eine Zähre.
 
Adam Mickiewicz
 

Nickname 15.03.2010, 14.40 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

Die Zwerge ...

zwerg.jpg



Der Riese lud die Zwerge ein
Zu Fisch und Fleisch und Bier und Wein.

Die Zwerge sagten: Große Ehr!
Wir kommen gern und danken sehr.

Sie machten sich gefährlich breit
Und aßen nach der Schwierigkeit.

Sie tranken mehr, als ihnen gut,
Verlor'n beim Heimgang Stock und Hut.

Befanden sich drei Tage schlimm,
Und waren voller Gift und Grimm.

Das Fleisch das war ja mehr als zäh,
Vom Weine kriegt man Schädelweh.

War viel zu jung, und dann der Fisch,
Der war ganz sicher nicht mehr frisch.

Und überhaupt: so groß zu sein
Ist unmanierlich und nicht fein!

Hermann Löns

Nickname 11.03.2010, 19.31 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kindergedichte

Frühling auf Vorschuss ...





Im Grünen ist´s noch garnicht grün.
Das Gras steht ungekämmt im Wald,
als sei es tausend Jahre alt.
Hier also, denkt man, sollen bald
die Glockenblumen blüh´n?

Die Blätter sind im Dienst ergraut
und rascheln dort und rascheln hier,
als raschle Butterbrotpapier.
Der Wind spielt über´m Wald Klavier,
mal leise und mal laut.

Doch wer das Leben kennt, der kennt´s.
Und sicher wird´s in diesem Jahr
so, wie´s in andern Jahren war.
Im Walde sitzt ein Ehepaar
und wartet auf den Lenz.

Man soll die beiden drum nicht schelten,
sie lieben die Natur
und sitzen gern in Wald und Flur.
Man kann´s ganz gut verstehen, nur:
Sie werden sich erkälten!

Erich Kästner

Nickname 10.03.2010, 21.01 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Frühlingsmorgen ...



Tief im Winter hör' ich's gerne,
eh' die Sonn' hervorgewallt,
wie durchs Dunkel aus der Ferne
eine Morgenglocke schallt.

Im August, wenn Donner rollen,
freut mich's wie die Windfahn' ächzt,
und im Herbst, wenn auf den Schollen
abends spät ein Rabe krächzt.

Doch was kann mein Herz erweitern
wie der erste Finkenschlag,
wie der Lerche Lied am heiteren,
wundervollen Frühlingstag?
 

Hermann von Lingg (1820-1905)

Nickname 10.03.2010, 20.55 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

Der Gattenmörder ...



Vater und Kind gestorben
ruhen im Grabe tief,
die Mutter hat erworben
seitdem ein andrer Lieb.

Da droben auf dem Schlosse
da schallt das Hochzeitsfest,
da lacht's und wiehern die Rosse,
durchs Grün ziehn bunte Gäst'.

Die Braut schaut ins Gefilde
noch einmal vom Altan,
es sah so ernst und milde
sie da der Abend an.

Rings waren schon verdunkelt
die Täler und der Rhein,
in ihrem Brautschmuck funkelt
nur noch der Abendschein.

Sie hörte Glocken gehen
im weiten tiefen Tal,
er bracht der Lüfte Weben
fern übern Wad den Schall.

Sie dacht: "O falscher Abend!
was das bedeuten mag?
wen läuten sie zu Grabe
an meinem Hochzeitstag?"

Sie hört im Garten rauschen
die Brunnen immerdar
und durch die Wälder rauschen
ein Singen wunderbar.

Sie sprach: "Wie wirres Klingen
kommt durch die Einsamkeit,
das Lied wohl hört ich singen
in alter, schöner Zeit."

Es klang, als wollt sie's rufen
und grüßen tausendmal -
so stieg sie von den Stufen,
so kühle rauscht das Tal.

So zwischen Weingehängen
stieg sinnend sie ins Land
hinunter zu den Klängen,
bis sie im Walde stand.

Dort ging sie, wie in Träumen
im weiten, stillen Rund,
das Lied klang in den Bäumen,
von Quellen rauscht der Grund.

Derweil von Mund zu Munde
durchs Haus, erst heimlich sacht
und lauter geht die Kunde:
die Braut irrt in der Nacht.

Der Bräut'gam tät erbleichen,
er hört im Tal das Lied,
ein dunkelrotes Zeichen
ihm von der Stirne glüht.

Und Tanz und Jubel enden,
er und die Gäst' im Saal,
Windlichter in den Händen,
sich stürzen in das Tal.

Da schweifen rote Scheine,
Schall nun und Roßehuf,
es hallen die Gesteine
rings von verworrnem Ruf.

Doch einsam irrt die Fraue
im Walde schön und bleich
die Nacht hat tiefes Grauen,
das ist von Sternen so reich.

Und als sie war gelanget
zum allerstillsten Grund,
ein Kind am Felsenhange
dort freundlich lächelnd stund.

Das trug in seinen Locken
einen weißen Rosenkranz,
sie schaut es an erschrocken
beim irren Mondesglanz.

"Solch Augen hat das meine,
ach meines bist du nicht.
und ruht ja unterm Steine,
den niemand mehr zerbricht.

Ich weiß nicht, was mir grauset,
blick nicht so fremd auf mich!
ich wollt, ich wär zu Hause."
"Nach Hause führ ich dich."

Sie gehn nun miteinander,
so trübe weht der Wind,
die Frau sprach im Wandern:
"Ich weiß nicht, wo wir sind.

Wen tragen sie beim Scheine
der Fackeln durch die Schlucht?
O Gott, der stürzt vom Steine
sich tot in dieser Kluft!"

Das Kind sagt: "Den sie tragen,
dein Brräut'gam heute war,
er hat meinen Vater erschlagen,
's ist diese Stund ein Jahr.

Wir alle müssen's büßen,
bald wird es besser sein,
der Vater läßt dich grüßen,
mein liebes Mütterlein."

Ihr schauert's durch die Glieder:
"Du bist mein totes Kind!
Wie funkeln die Sterne nieder,
jetzt weiß ich, wo wir sind." -

Da löst sie Kranz und Spangen,
und über ihr Angesicht
Perlen und Tränen rannen,
man unterschied sie nicht.

Und über die Schultern nieder
rollen die Locken sacht,
verdunkeln Augen und Glieder,
wie eine prächtige Nacht.

Ums Kind den Arm geschlagen,
sank sie ins Gras hinein -
Dort hatten sie erschlagen
den Vater im Gestein.

Die Hochzeitsgäste riefen
im Walde auf und ab,
die Gründe alle schliefen,
nur Echo Antwort gab.

Und als sich leis erhoben
der erste Morgenduft,
hörten die Hirten droben
ein Singen in stiller Luft.
 
Joseph Freiherr von Eichendorff
 

Nickname 10.03.2010, 19.10 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

Ja ...


Nickname 07.03.2010, 13.16 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Postkarten

Der Lenz ...




Da kommt der Lenz, der schöne Junge,
den alles lieben muss,
herein mit einem Freudensprunge
und lächelt seinen Gruß;

und schickt sich gleich mit frohem Necken
zu all den Streichen an,
die er auch sonst dem alten Recken,
dem Winter, angetan.

Er gibt sie frei, die Bächlein alle,
wie auch der Alte schilt,
die der in seiner Eisesfalle
so streng gefangen hielt.

Schon ziehn die Wellen flink von dannen
mit Tänzen und Geschwätz
und spötteln über des Tyrannen
zerronnenes Gesetz.

Den Jüngling freut es, wie die raschen
hinlärmen durchs Gefild,
und wie sie scherzend sich enthaschen
sein aufgeblühtes Bild.

Froh lächelt seine Mutter Erde
nach ihrem langen Harm;
sie schlingt mit jubelnder Gebärde
das Söhnlein in den Arm.

Nikolaus Lenau

Nickname 03.03.2010, 21.01 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

Achtung ...



Ein Blatt ist kein Baum,
ein Körnchen kein Sand,
ein Tröpfchen kein Meer,
drum gib mir die Hand.
Einer allein kann sich fürchten,
einer allein hat's schwer.
Doch zusammen sind wir wie der Baum,
der Sand und das Meer.

Anonymus

Nickname 01.03.2010, 15.22 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

Die lahme Ente ...


Sie watschelt immer hinterher.
Das liegt nicht am Gelände.
Sie ist, das nimmt sie furchtbar schwer,
nur eine lahme Ente.
Von Kükenbeinen an schien klar:
Wie sehr sie sich auch hetzte;
sie kam nicht mit, und blieb, und war
mit Abstand stets die letzte.
"Jetzt reicht's, ich jogge jetzt im Kreis.
Trainiert wird alle Tage.
Bald gibt es keinen Trost als Preis
und keine Niederlage."
Die lahme Ente rennt und rennt
vorbei mit Seitenstechen.
Sie krault im nassen Element.
Und achtet ihr Versprechen. <
Anonymus

Nickname 28.02.2010, 13.42 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Lustige Gedichte

Merke ...

Nickname 27.02.2010, 17.24 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Postkarten

Neuer Frühling ...



 
Unterm weißen Baume sitzend,
Hörst du fern die Winde schrillen,
Siehst, wie oben stumme Wolken
Sich in Nebeldecken hüllen;

Siehst, wie unten ausgestorben
Wald und Flur, wie kahl geschoren; -
Um dich Winter, in dir Winter,
Und dein Herz ist eingefroren.

Plötzlich fallen auf dich nieder
Weiße Flocken, und verdrossen
Meinst du schon, mit Schneegestöber
Hab der Baum dich übergossen.

Doch es ist kein Schneegestöber,
Merkst es bald mit freudgem Schrecken;
Duft'ge Frühlingsblüten sind es,
Die dich necken und bedecken.

Welch ein schauersüßer Zauber!
Winter wandelt sich in Maie,
Schnee verwandelt sich in Blüten,
Und dein Herz es liebt aufs neue.
 
Heinrich Heine

Nickname 23.02.2010, 20.29 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Heinrich Heine

Sprücheklopfer ...



Ein Mensch geht wie ein Supermann
energisch die Probleme an.
Fast jeder, der ihn flüchtig kennt,
hält ihn für klug und kompetent.

Herrlich kann er formulieren
und Gedanken zelebrieren.
In seinen Reden spürt man schon
den Hauch von Zukunft und Vision.

Er schwört, es würde vieles gehn,
wenn alle fest zusammen stehn,
und selbstverständlich packe man
gemeinsam die Probleme an.

Zur Mitarbeit ist er bereit,
doch leider hat er keine Zeit.
So steht nach seinen Reden fest,
dass dieser Mensch nur machen lässt.

Sein Tun erschöpft sich stets dabei
in lauter schöner Rederei,
und damit war für alle klar,
dass er ein Sprücheklopfe
r war.

Nickname 23.02.2010, 20.21 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Lustige Gedichte

Februar ...



Schon leuchtet die Sonne wieder am Himmel
und schmilzt die Schneelast von den Dächern
und taut das Eis auf an den Fenstern
und lacht ins Zimmer; wie geht´s? wie steht´s?

Und wenn es auch noch lang nicht Frühling,
so laut es überall tropft und rinnt...
du sinnst hinaus über deine Dächer...
du sagst, es sei ein schreckliches Wetter,
man werde ganz krank! und bist im stillen
glückselig drüber wie ein Kind.

Cäsar Otto Hugo Flaischlen

Nickname 23.02.2010, 19.47 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

Gruss an die Kinder ...




Ich möcht Euch alle miteinander
auf bunten Wiesen sehn,
bei Klarinetten und Geigen
die Füßchen im Tanze drehn.

Ich möcht Euch alle miteinander
mitnehmen im Luftschiffkahn,
Euch die schöne Erde zeigen,
und was fleißige Menschen getan.

Ich möcht Euch alle miteinander
still führen an der Hand,
Euch heimliche Dinge sagen
von Gott und dem Sternenland.

Paula Dehmel

Nickname 23.02.2010, 19.11 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Paula Dehmel

Vorfrühling ...



Stürme brausten über Nacht,
und die kahlen Wipfel troffen.
Frühe war mein Herz erwacht,
schüchtern zwischen Furcht und Hoffen.
Horch, ein trautgeschwätz'ger Ton
dringt zu mir vom Wald hernieder.
Nisten in den Zweigen schon
die geliebten Amseln wieder?

Dort am Weg der weiße Streif -
Zweifelnd frag' ich mein Gemüte:
Ist's ein später Winterreif
oder erste Schlehenblüte?

Paul Heyse

Nickname 23.02.2010, 18.17 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

Ja ...



ext. Bild

Nickname 19.02.2010, 20.21 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Postkarten

Das Alter ...


Das aber ist des Alters Schöne,
dass es die Saiten reiner stimmt,
Dass es der Lust die grellen Töne,
dem Schmerz den herbsten Stachel nimmt.

Ermessen lässt sich und verstehen
die eig’ne mit der fremden Schuld,
und wie auch rings die Dinge gehen,
Du lernst Dich fassen in Geduld.


Anonymus

 

Nickname 18.02.2010, 22.42 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Junge Dichtkunst

Golch und Flubis ...



Golch und Flubis, das sind zwei
Gaukler aus der Titanei,

die mir einst in einer Nacht,
Zri, die große Zra, vermacht.

Mangelt irgend mir ein Ding,
ein Beweis, ein Baum, ein Ring -

ruf ich Golch und er verwandelt
sich in das, warum sichs handelt.

Während Flubis umgekehr
das wird, was man gern entbehrt.

Bei z. B. Halsbeschwerden
wird das Halsweh Flubis werden.

Fällte dich z. B. Mord,
ging der Tod als Flubis fort.

Lieblich lebt es sich mit solchen
wackern Flubissen und Golchen.

Darum suche jeder ja
dito Zri, die große Zra.
 
Christian Morgenstern

Nickname 18.02.2010, 22.31 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Christian Morgenstern

Der Winter ...




Wenn bleicher Schnee verschönert die Gefilde,
und hoher Glanz auf weiter Ebne blinkt,
so reizt der Sommer fern und milde
naht sich der Frühling oft, indes die Stunde sinkt.

Die prächtige Erscheinung ist, die Luft ist feiner.
Der Wald ist hell, es geht der Menschen keiner
auf Straßen, die zu sehr entlegen sind, die Stille machet
Erhabenheit, wie dennoch alles lachet.

Der Frühling scheint nicht mit der Blüten Schimmer
dem Menschen so gefallend, aber Sterne
sind an dem Himmel hell, man siehet gerne
den Himmel fern, der ändert fast sich nimmer.

Die Ströme sind, wie Ebnen, die Gebilde
sind, auch zerstreut, erscheinender, die Milde
des Lebens dauert fort, der Städte Breite
erscheint besonders gut auf ungemeßner Weite.
 
Friedrich Hölderlin
 

Nickname 18.02.2010, 22.17 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

Zum Valentinstag ...






Blumen in Kränzen will ich Dir schicken,
in Farben allen, duftend und schön,
die sollen im Winter Dein Herz entzücken,
wenn draussen die eisigen Winde wehn.

Und wenn auch am Fenster noch Eisblumen blühn
ist innen ein Frühling,
den kümmert es nicht -
dort pflück ich Dir Blumen zum Valentin
in fröhlichen Kränzen, ein liebes Gedicht.

Und Zeile um Zeile soll zu Dir sagen:
Es sind noch viel Blüten zum Aufgehn bereit!
Der Frühling bricht an in den kalten Tagen,
die Wärme ist innen und kennt keine Zeit!

Nickname 16.02.2010, 22.22 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

Kleiner Spruch ...

Nickname 15.02.2010, 18.00 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Postkarten

Der Erdtrabant ...


Zu denken man oft neigt,
er sei des Mensch' Kopie:
Er stets genauso zeigt
die dunkle Seite nie.
Er ist ein Wanderer,
dem Winde niemals wehn.
Er ist kein Rätsel mehr,
sein Mythos bleibt bestehn.
Er ist ein großer Stein
und kurvt seit Ewigkeit.
Sein Licht ist nur ein Schein,
den ihm die Sonne leiht.
Er ist ein Freund der Erd'
und schenkt ihr treu Geleit.
Sein Gelb sich füllt und leert
im regen Takt der Zeit.
Auf ihm strömt keine Luft,
die Leben möglich macht;
so füllt er nie mit Duft
die stille Weltallnacht.
Er hebt das Meer zur Flut,
er senkt zur Ebbe es;
wenn schimmernd er drauf ruht,
dann gibt's kaum Schöneres.
Sein voller Schein oft bringt
zum Wallen manches Blut.
Romantisch er beschwingt
des Malers frohen Mut.
Zu ihm, da blickt man gern
und fühlt sich dabei frei.
So nah und doch so fern
zieht friedlich er vorbei.
Er schleicht mit Stetigkeit
in Zyklen stumm dahin.
Er kreist in Ewigkeit
und Ende ist Beginn.

Arne Anotnow/ 2009

 

Nickname 14.02.2010, 12.50 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

Der Farbenzauberer ...




 
Ein kleiner Raum in fahlem Licht,
ein beißender Geruch.
Ein kleiner Mann steht mittendrin,
tut fleißig seine stete Pflicht.


Er füllt die Welt mit seinen Farben,
er macht sie bunt und wunderschön.
Tausende schon hat er gemacht
und immer wird es weitergehen.

Die Nacht, sein Feind, sie nimmt das Wunder
aus seinen Mühen und macht sie grau.
Doch jeden Morgen, immer wieder
macht er den dunklen Himmel blau.

Er zieht die Töpfe aus Regalen,
links und rechts in seinem Raum.
Er färbt die Welt und hilft bewahren,
erfüllt sich seinen großen Traum.

Wenn ihr euch umseht, denkt an ihn
und wie es ohne ihn wohl wäre.
Blickt hinaus und freuet euch,
über die ausgefüllte Leere.

Denn er wird alt, der kleine Mann
und manchmal ist er müde.
So denkt an ihn und schenkt ihm Kraft,
sein Pinsel ist die Liebe.

Florian Greuling

Nickname 14.02.2010, 12.20 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Junge Dichtkunst

Die schwarze Witwe ...



Es war einmal ein junger Mann,
der lebte einst sehr abgeschieden,
er liebte seine Art zu leben,
und war im Grunde sehr zufrieden.

Doch eines Tages sah er sie,
wie aus dem Nichts erschien sie ihm,
wunderschön und weltgewand,
sie dann plötzlich vor ihm stand.

Die Augen wie Brillianten,
der Mund wie ein Vulkan,
so sie sich gegenüberstanden,
er war völlig aus der Bahn.


Der Wald, der einst sein Leben war,
bedeutungslos, ganz sonderbar,
Nichts mehr, was sich in ihm rührte,
sie war alles, was er spürte.


So kam es, dass er mit ihr ging,
der Wald, der lag nun hinter ihm.
Alles was sein Leben war,
ausgelöscht und nicht mehr da.

Liebessüchtig, ganz und gar,
märchenhaft und wunderbar.
Folgt er ihr ins Land der Wunder,
ins Moor und ging dann leider unter.


Die Moral von der Geschicht,
schwarzen Witwen traue nicht.

Nickname 06.02.2010, 19.22 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Lustige Gedichte

Am Grab ...



Ein Stein aus Marmel, blank geschliffen,
die Kerze, spiegelt sich darin.
Ich steh davor und hab begriffen,
wie endlich ich im Diesseits bin.

Die Lieben, die vorausgegangen
Ins Tal des körperlosen Seins,
Sie trösten mich in meinem Bangen
am Ort des irdischen Gebeins.

Ich seh sie lebend, liebend, lachend
und seltsam, Frohmut stellt sich ein.
Den Docht mit Freudenlicht entfachend
verscheuch ich Furcht vor Vater Hein.


Anonymus

Nickname 06.02.2010, 19.14 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Trauer

Die Nähe ...



Nähe

zu wagen ist ein schwieriger

Balanceakt.

Wer zu weit geh t- oder nicht weit genug,

entfernt sich vom anderen ...



Ernst Ferstl
österr. Dichter, *1955









Nickname 04.02.2010, 19.55 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Ernst Ferstl

Habicht und Fuchs ...


Der Gockel bläst zum Großalarm.
Er kräht die Stimme heiser.
Doch auf der ganzen Hühnerfarm
wird es kein bißchen leiser.
"Seid endlich mucks- und mäuschenstill!
Gebt acht auf eure Küken.
Ein Habicht kreist. Ein Habicht will
ein Hähnchen-klein verdrücken!"
Das hat die Hennen aufgeschreckt.
Sie stürzen zu den Zäunen,
wo ihre Kinder gut versteckt
und unbekümmert streunen.
"Ihr flieht sofort ins Hühnerhaus.
Befehl von eurem Vater.
Den führt ihr augenblicklich aus.
Und bitte kein Theater."
Der Habicht macht auf Überfall.
Das sammelt das Zerstreute.
Der Fuchs sitzt schon im Hühnerstall
und wartet auf die Beute.
Geteilt wird nachher brüderlich.
Der Raubzug reicht für beide.
"Ein Hühnchen, Du, ein Hühnchen, ich."
Dann suchen sie das Weite.

Nickname 28.01.2010, 13.39 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Lustige Gedichte

Schöpfungslieder ...


 
Im Beginn schuf Gott die Sonne,
Dann die nächtlichen Gestirne;
Hierauf schuf er auch die Ochsen,
Aus dem Schweiße seiner Stirne.


Später schuf er wilde Bestien,
Löwen mit den grimmen Tatzen;
Nach des Löwen Ebenbilde
Schuf er hübsche kleine Katzen.

Zur Bevölkerung der Wildnis
Ward hernach der Mensch erschaffen;
Nach des Menschen holdem Bildnis
Schuf er intressante Affen.

Satan sah dem zu und lachte:
Ei, der Herr kopiert sich selber!
Nach dem Bilde seiner Ochsen
Macht er noch am Ende Kälber!
 
Heinrich Heine


Nickname 25.01.2010, 18.31 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Heinrich Heine

Hinweis ...



Ob Du an Gott glaubst?
Stolzes Menschlein, ach, wie nichtig!
Daß Gott an Dich glaubt,
das allein ist wichtig,
damit Dein ehrfüchtig erfülltes Leben
den Weltgeist zwingt, auf Dich achtzugeben.


Anonymus

Nickname 25.01.2010, 14.28 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

Zeiten ...

Nickname 22.01.2010, 19.39 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Postkarten

Leidenschaften

Leidenschaften sind Fahrstühle
zwischen Himmel und Hölle.

Andreas Tenze


Nickname 22.01.2010, 19.36 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Wie wahr ...

Nickname 18.01.2010, 19.41 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Postkarten

Veränderungen ...

Nickname 12.01.2010, 23.06 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Postkarten

Wäre schön ...

Nickname 08.01.2010, 20.01 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Postkarten

W i n t e r ...



Du lieber Frühling! Wohin bist Du gegangen?
Noch schlägt mein Herz, was Deine Vögel sangen.
Die ganze Welt war wie ein Blumenstrauß,
längst ist das aus!
Die ganze Welt ist jetzt, o weh,
Barfüßle im Schnee.
Die schwarzen Bäume stehn und frieren,
im Ofen die Bratäpfel musizieren,
das Dach hängt voll Eis.
Und doch: bald kehrst Du wieder, ich weiß, ich weiß!
Bald kehrst Du wieder,
o nur ein Weilchen,
und blaue Lieder
duften die Veilchen!
 
Arno Holz

Nickname 02.01.2010, 15.10 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

Nebel hängt wie Rauch ums Haus ...



 
Nebel hängt wie Rauch ums Haus,
drängt die Welt nach innen;
ohne Not geht niemand aus,
alles fällt ins Sinnen.

Leiser wird die Hand, der Mund,
stiller die Gebärde.
Heimlich, wie auf Meeresgrund,
träumen Mensch und Erde.

Christian Morgenstern

Nickname 01.01.2010, 18.22 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Christian Morgenstern

Lie - be ...


Wenn auf

der Erde die Liebe

herrschte,

wären alle Gesetze entbehrlich...





Aristoteles
(384-322 v.Chr.)
grich. Philosph

Nickname 30.12.2009, 19.12 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

:-)

Nickname 29.12.2009, 19.04 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Postkarten

Das Jahr beginnt sich sanft zu runden ...





Das Jahr beginnt sich sanft zu runden,
still ruhet draußen die Natur
und in den langen, dunklen Nächten
verliert sich langsam seine Spur.
Begleitet hat es unser Leben,
doch nur ein winzig kleines Stück,
nun läßt es uns alleine und etwas älter hier zurück.
Ein Jahr von vorn besehen
ist eine lange Frist und erst, wenn es zu Ende,
merkt man, wie kurz es ist.
Am Anfang macht man viele Pläne
und steckt ein möglichst hohes Ziel;
doch schaffen wirst Du nur die Hälfte
und das ist dann schon wirklich viel.
Mit Hoffen und mit Wünschen
beginnt man jedes Jahr
und ist am Ende ganz zufrieden,
wenn´s mittelprächtig war.
Ein Jahr gleicht nie dem andern,
stets hat es einen neuen Tritt
und der Mensch in seinem Streben
hält bergauf, bergrunter Schritt.
Ist das Glück an Deiner Seite,
dann läuft alles von allein´,
freudig schaffst Du Deine Arbeit
und Du glaubst, die Welt sei Dein.

Doch manchmal wachsen die Probleme
und fast erdrückt Dich ihr Gewicht,
verzage nicht, denn oft schon hilft es,
wenn man zu jemand d´rüber spricht.
Und kommt ein Mensch mit seinen Sorgen
zu Dir und spricht, dann höre zu,
schon morgen kann das Glück sich wenden
und der, der reden will, bist Du.
Wenn die Welt in Ordnung, man leicht von
Freundschaft spricht,
doch kommen schwere Stunden,
dann erst bewährt sie sich.
So oft Du kannst, tu etwas Gutes,
verschenke gern ein bißchen Glück,
an irgend einem Tag im Leben
bekommst Du es bestimmt zurück.
Ein Jahr ist gar so schnell vergangen,
d´rum freue Dich auf jeden Tag,
wer weiß, wie viel uns noch beschieden
und was das neue bringen mag.
Begrüße freudig jeden Frühling
als ob´s der letzte wär´,
genieß des Sommers goldene Tage
und auch den Herbst mit Früchten schwer,
und will das Jahr sich wieder runden
und Frost zieht über´s weite Land. -
Zwölf Monde wurden Dir gegeben,
d´rum vergiß nicht Deinen Dank.
 
Thomas Linnhoff

Nickname 29.12.2009, 17.05 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

Neujahr

Jeder wünscht sich langes Leben,
seine Kisten voller Geld,
Wiesen, Wälder, Äcker, Reben -
Klugheit, Schönheit, Ruhm der Welt,
doch wenn alles würde wahr
was man wünscht zum neuen Jahr,
dann erst wär es um die Welt,
glaubt es, jämmerlich bestellt.
Lebten alle tausend Jahre,
was gewönnen wir dabei?
Kahle Köpfe, graue Haare
und das ew'ge Einerlei!
Im erschrecklichen Gedränge
ungeheurer Menschenmenge
würden Stadt und Dorf zu enge,
und die ganze Welt zu klein.
Niemand könnte etwas erben,
denn es würde keiner sterben;
und wer möchte Doktor sein?
Wäre jedermann so reich,
als wohl jeder wünscht zu werden:
Nun, dann würden wir auf Erden
uns, in Sorgen, alle gleich.
Da niemand des andern Bürde
künftig auf sich laden würde,
müßte jeglicher allein
sein höchsteigner Diener sein;
selber seine Strümpfe stricken,
möcht' er nicht gern barfuß gehn;
selber Rock und Hosen flicken
möcht' er nicht wie Adam stehen;
müßte kochen, braten, backen,
liebte er gesunde Kost.
Wäre er kein Freund vom Frost,
müßt' er selber Holz sich hacken.

Ständen alle ohne Mängel
wir hienieden schon, als Engel,
o wie wär' es böse Zeit
für die liebe Geistlichkeit!
Wer denn könnte Pfarrer werden
in dem Himmel hier auf Erden,
wenn der Laie besser wäre
als die Predigt, die er hört?
Nur wo nötig ist die Lehre
-und sonst nirgends- hat sie Wert.
Advokaten gingen müßig;
Richter wären überflüßig;
und Dragoner und Husaren
wären überflüß'ge Waren.
Ach, in diesem Weltgetümmel
wüchse wieder neue Not,
denn es brächte unser Himmel
manchen braven Mann ums Brot.
Wären alle Mädchen schön,
und von außen und von innen
und vom Wirbel bis zum Zehn
zauberische Huldgöttinnen:
zu alltäglich, zu gemein
würden schöne Mädchen sein;
niemand würde auf sie blicken. -
Wäre alles Diamant,
was jetzt Kiesel ist und Sand,
niemand möchte sich drum bücken. neuen Jahr.
Aber würde alles wahr,
dann erst wär' es um die Welt,
glaubt es, jämmerlich bestellt!
Wollet Ihr die Welt verbessern,
(bloße Wünsche tun es nie,
Spiele sind's der Phantasie!)
wollet ihr die Welt verbessern,
fange jeder an bei sich,
denn der Mittelpunkt der größern
Welt ist jeglichem sein Ich.
Dieses Ich wirft seine Strahlen,
einer innern Sonne gleich,
durch des Lebens weites Reich.
Wie es selber ist, so malen
sich die Dinge klein und groß,
prächtig oder farbenlos.

Anonymus

Nickname 28.12.2009, 13.46 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

Warum

Manche Menschen sehen die Dinge,
so wie sie sind - und fragen:
Warum?
Ich erträume Dinge,
die es noch nie gegeben hat,
und frage:
Warum eigentlich nicht?

Nickname 25.12.2009, 18.59 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Die Gans ...



Ein Lobgesang.

Lasst mich heut den Ruhm vermelden
Der geliebten edlen Gans,
Die da strahlt gleich einem Helden
In dem höchsten Ruhmesglanz,
Die das Kapitol gerettet,
Wie ein jeder Schüler weiss,
Die uns köstlich nährt und bettet;
Ihr gebühret Ruhm und Preis.

Und mit ganz besondrer Stärke
Strahlt sie in der Poesie:
Shakespeares, Schillers, Goethes Werke
Wurden alle nur durch sie.
Ja, sie glänzt in allen Reichen:
Stromweis floss aus ihrem Kiel
Hohe Weisheit ohnegleichen,
Und der allerschönste Stil.

Wenn sich Dichter dann und Denker
Müd’ geschrieben und gedacht,
Philosophen, Staatenlenker
Endlich ihren Punkt gemacht,
Ruhten sie von ihrem Werke
Sanft auf Gänsedaunen aus,
Neue Kraft und neue Stärke
Sogen sie im Schlaf daraus.

Und wie köstlich anzusehen
Ist die wohlgebratne Gans,
Hat der Mensch sie vor sich stehen
In dem knusprig braunen Glanz.
Ja, von ihrem Duft umfächelt,
Leuchtet jedes Angesicht,
Und es schmunzelt gar und lächelt
Der verstockte Bösewicht.

Sie ist lieblich, sie ist lecker
Und beseeligt alle Leut’,
Selbst den Schlemmer und den Schlecker,
Den die Leber hoch erfreut
Sie verkläret im November
Grauer Tage trüben Schein,
Duftet froh durch den Dezember
Bis ins neue Jahr hinein.

Drum erhebt die vollen Becher
Mit des edlen Rheinweins Fluth!
Lobt die Gans, ihr frohen Zecher:
Sie ist edel, sie ist gut!
Ja das Alter und die Jugend
Halte hoch die Gans und werth:
Dankbarkeit ist eine Tugend,
Die den Menschen ziert und ehrt.

Heinrich Seidel

Nickname 17.12.2009, 17.35 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Heinrich Seidel

Wie war das denn früher eigentlich???




Draußen schneit's, es ist so weit,
begonnen hat die Weihnachtszeit.
Der Opa holt vom Abstellraum
den Weihnachtsschmuck und schmückt den Baum.
Sein Enkel hilft, so gut er kann
und freut sich auf den Weihnachtsmann.
Zum Schluß die Lämpchen dran, noch schnell
den Stecker rein, schon strahlt es hell.
Da wird der Opa nachdenklich.
Wie war das früher eigentlich?
Die Kerzen waren da noch echt,
aus Wachs mit Docht, das war nicht schlecht.
Der Enkel aber glaubt es kaum:
"Echte Kerzen auf dem Baum???"
Die Zeit jedoch bleibt niemals steh'n
und fünfzig weit're Jahr'
vergeh'n.
Der Enkel - längst erwachsen schon -
hat heute selbst 'nen Enkelsohn.
Und wieder schneit's zur
Weihnachtszeit.
Ja wieder mal ist es so weit.
Der Opa holt vom Abstellraum,
wie jedes Jahr, den Plastikbaum.
Sein Enkel hilft, so gut er kann
und freut sich auf den Weihnachtsmann.
Der Christbaumschmuck wird angebracht.
Schon strahlt der Plastikbaum voll Pracht.
Da wird der Opa nachdenklich.
Wie war das früher eigentlich?
Da war der Weihnachstbaum noch echt,
frisch aus dem Wald, das war nicht schlecht.
Der Enkel aber glaubt es kaum:
"Im Wohnzimmer ein echter Baum???"
Die Zeit bleibt doch auch jetzt nicht
steh'n
und nochmal fünfzig Jahr'
vergeh'n.
Der Enkel - längst erwachsen schon -
hat wiederum 'nen Enkelsohn.
Und schneit's auch draußen noch so
sehr,
das Weihnachtsfest, das gibt's nicht
mehr.
Man holt nichts mehr vom Abstellraum
und hat auch keinen Weihnachtsbaum.
Der Enkel denkt auch nicht daran,
hat nie gehört vom Weihnachtsmann.
Auch vieles and're gibt's nicht
mehr.
Die ganze Welt wirkt ziemlich leer.
Da wird der Opa nachdenklich.
Wie war das früher eigentlich?
Da feierte man wirklich echt
ein Fest mit Baum, das war nicht schlecht.
Der Enkel aber glaubt es kaum
und fragt erstaunt: "Was ist ein
Baum???"


Anonymus
 

Nickname 17.12.2009, 16.48 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Weihnachten

Gefühle ...

Nickname 15.12.2009, 18.48 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Postkarten

R O S E N ...

Der Rose süßer Duft genügt,
Man braucht sie nicht zu brechen -
Und wer sich mit dem Duft begnügt,
Den wird ihr Dorn nicht stechen.

Friedrich von Bodenstedt

Nickname 13.12.2009, 11.07 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

BERLIN ...



Ick steh uff Berlin,
wie´n Hund uff´n Knochen,
ehrlich, ick finde det Dorf sojar schön.
Hier bleiben ja auch viele von außerhalb hocken,
det kann man ja gleich an de Rucksäcke sehn.
Wenn ick bloß drei Tage nach anderswo fahre,
denn komm´ ick mit hängender Zunge zurück,
weil ick Sehsucht nach meine Kartoffeln habe,
so´n richt´jen Haufen in Soße zerdrückt.

Berlin du bist die größte
Quasselstrippe uff de Welt,
Berlin du bist die schönste
Nervensäge vonner Welt!

Wo ick wohn`tu, dit is nischt für Leute mit Konto
bei uns im Kietz lebt man solide uff Pump.
Werden lachen, ick hab ja keen Bock uff Auto,
ick leist mir`n Vogel dafür und `n Hund.
Dit Klo is bei mir uff de halbe Treppe,
naja, inne Nacht isset nich angenehm,
und doch, an die Bude häng´ ick wie `ne Klette,
mein Exmann, der konnte dit ooch nich verstehen!

Bei mir sind drei Koffmichs alleen inne Drehe,
jawoll, da liegt die BUtter noch neben dm Kamm,
doch wenn ich nach sieben bei der Emma hinjehe,
kiekt keener mir gleich wie im Konsum schief an!
Im Gegenteil, die sülzt bloß janz friedlich:
?Na Helga, dur koofst wohl ooch ewig von hinten rum ein?!?
Und Wurscht, Stängerkäse und arschfrische Eier,
die wickelt se mir ins Zentralorgan ein!

Und Abends, da kieck ick bei mir aus`m Fenster,
wat denkste, keen Kino kann spannender sein.
Det is zwar keen Krimi mit Mafia und Gängster,
is mehr wat für`t Herze von Liebe und Leid -
Die Neumannsche seh ick inne Stube drin hocken,
und Oma Wanda, die sitzt und stoppt Socken,
a siehste, ich schmeiß so wat weg, ick Idiot!

Die Müllers ham ihre Jardinen zujezogen,
na jut, kick ick weg, da is Vatertag dran.
Die Bergern schleppt wieder ein Kerl mit nach oben,
dit is doch ein Miststück, hat so`n juten Mann!
Und Morgen, da bring ich den Mülleimer runter,
den schmeiß` ick den Mülljungs gleich hinten mit rin,
denn sag ick noch gähnend und leg meine Klunker
uff`n Nachtisch - machts jut, eh - hau mir jetzt hin!

Berlin du bist die größte
Quasselstrippe uff de Welt,
Berlin du bist die schönste
Nervensäge vonner Welt!

Anonymus

Nickname 11.12.2009, 17.49 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

Herzlösung ??

Nickname 10.12.2009, 19.40 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Postkarten

Wenn es Winter wird ...



Der See hat eine Haut bekommen,
so daß man fast drauf gehen kann,
und kommt ein großer Fisch geschwommen,
so stößt er mit der Nase an.
Und nimmst Du einen Kieselstein
und wirfst ihn drauf, so macht es klirr
und titscher - titscher - titscher - dirr . . .
Heißa, Du lustiger Kieselstein!
Er zwitschert wie ein Vögelein
und tut als wie ein Schwälblein fliegen -
doch endlich bleibt mein Kieselstein
ganz weit, ganz weit auf dem See draußen liegen.
Da kommen die Fische haufenweis
und schaun durch das klare Fenster von Eis
und denken, der Stein wär etwas zum Essen;
doch sosehr sie die Nase ans Eis auch pressen,
das Eis ist zu dick, das Eis ist zu alt,
sie machen sich nur die Nasen kalt.
Aber bald, aber bald
werden wir selbst auf eignen Sohlen
hinausgehn können und den Stein wiederholen.

Christian Morgenstern

Nickname 06.12.2009, 17.52 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Christian Morgenstern

Weihnachtsswünsche ...



Was wünsch ich mir vom Weihnachtsmann?
Was würd mir Freude machen?
Ich denke immerzu daran;
Es gibt so viele Sachen.

Vielleicht ein Berg aus Süßigkeiten?
Oder doch ein Videospiel?
Ein Pony, um darauf zu reiten?
Ich wünsche mir soviel.

Jetzt weiss ich es, und fange an
den Wunschzettel zu schreiben.
 
und lass die Worte treiben.

Einen Fernseher, ein Puppenhaus,
das will ich alles nicht.
Ich möchte in die Welt hinaus
und bringen helles Licht.

Will Frieden, Sonne, Glück und Hoffnung
in allen Augen sehn.
Will ohne Angst in jede Richtung
der Welt spazieren gehn.

Ob Hunger, Trauer, Folter, Schmerz,
mach alles wieder gut.
Bring Wärme in ein jedes Herz
und bringe wieder Mut.

So viele Kinder wünschen sich
ein Heim und Freude satt.
Ich blicke auf und sehe mich,
die, die das alles hat.

Drum wünsch ich mir, dass dieses Glück
auch andern wird gegeben.
Das jeder geht so Stück für Stück,
durch ein gesundes Leben.

Ach Weihnachtsmann, ich weiss es ja,
es ist ein schwerer Wunsch.
Doch glaub ich heute fest daran,
dass Wunder noch geschehn.

Anonym

Nickname 06.12.2009, 17.40 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Weihnachten

Eine Frage ...

Nickname 05.12.2009, 19.41 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Postkarten

Der Mondgeheimnis ...





Mond dort oben, im Zyklus der Frau,W
leuchtest Du, zu Dir ich hochschau,
Wieviel Geheimnisse hast Du schon gesehen?
Was ist alles in Deinen Nächten geschehen?

Schweigend ziehst Du Deine Bahnen,
wir können Deine Geheimnisse nur erahnen,
Du hast schon so vieles, auch schönes gesehen,
hörst Wölfe heulen und Sehnsuchtvolles Flehen ...

Sahst Liebende von Ekstase durchdrungen,
und ihre Körper ineinander verschlungen ...
sahst Liebe, Sehnsucht und Herzen voll Leid,
und kennst auch die tiefste Einsamkeit ...

Oh Mond, Du der Meister über Ebbe und Flut,
mit dem Zyklus einer Frau, Deine Kraft macht Mut,
bewahre unsere Geheimnisse weiterhin im Herz,
und ziehe mit Mondeskraft fort meinen Schmerz ...


Anonymus

Nickname 03.12.2009, 21.08 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

Barbarossa ...



Der alte Barbarossa,
der Kaiser Friedrich,
im unterird'schen Schlosse
hält er verzaubert sich.

Er ist niemals gestorben,
er lebt darin noch jetzt;
Er hat im Schloß verborgen
zum Schlaf sich hingesetzt.

Er hat hinab genommen
des Reiches Herrlichkeit
und wird einst wiederkommen
mit ihr zu seiner Zeit.

Der Stuhl ist elfenbeinern,
darauf der Kaiser sitzt;
der Tisch ist marmelsteinern,
worauf sein Haupt er stützt.

Sein Bart ist nicht von Flachse,
er ist von Feuersglut,
ist durch den Tisch gewachsen,
worauf sein Kinn ausruht.

Er nickt als wie im Traume,
sein Aug' halb offen zwinkt,
und je nach langem Raume
er einem Knaben winkt.

Er spricht im Schlaf zum Knaben:
Seh hin vor's Schloß, o Zwerg,
und sieh, ob noch die Raben
herfliegen um den Berg,

Und wenn die alten Raben
noch fliegen immerdar,
so muß ich auch noch schlafen,
verzaubert hundert Jahr.
 
Friedrich Rückert

Nickname 28.11.2009, 23.23 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Friedrich Rückert

Vertrauen ...




Darf ich mich fallen lassen
in Deine Abgründe?
Ich möchte springen von der
Klippe dieses Augenblicks
in die Tiefen Deines Wesens,
die Du noch nicht kennst.
Keine Angst,
ich bin kein Selbstmörder.
Mein Vertrauen in die Liebe
trägt mich sanft
ins Bodenlose.


Für M.A.



Nickname 28.11.2009, 23.08 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

Das Glück ...

Nickname 28.11.2009, 17.16 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Postkarten

Heinz Erhardt ...

Nickname 26.11.2009, 19.58 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Heinz Erhardt

Die Unterhose ...



Heilig ist die Unterhose,
wenn sie sich in Sonn und Wind,
frei von ihrem Alltagslose,
auf ihr wahres Selbst besinnt.

Fröhlich ledig der Blamage
steter Souterränität,
wirkt am Seil sie als Staffage,
wie ein Segel leicht gebläht.

Keinen Tropus ihr zum Ruhme
spart des Malers Kompetenz,
preist sie seine treuste Blume
Sommer, Winter, Herbst und Lenz.



Christian Morgenstern

Nickname 26.11.2009, 19.15 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Christian Morgenstern

Verstand ...

Es ist ja immer
der Verstand,
der verzweifelt,
wenn uns das
Unbegreifliche
anpackt, und
doch beruhigt
es sich immer
wieder, weil
jenes Gefühl
doch stärker
ist, das uns
Lust und Liebe
zum Leben gibt.


Richard Dehmel

ext. Bild

Nickname 26.11.2009, 19.02 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

Liebe ...



Liebe ist Tiefe und ist Erleben,
Liebe ist Höhe, lieben heißt schweben,
Liebe ist einzig, Liebe ist groß,
Liebe ist himmlisch, einfach famos.

Liebe ist ein herzhaftes Lachen,
Liebe kann so glücklich machen,
Liebe heißt: hier ist ein Herz,
Liebe, nein, das ist kein Scherz.

Liebe ist Geben, Liebe ist gut,
Liebe ist Umsicht, Liebe gibt Mut,
Liebe ist Freude, Liebe ist Glück,
Liebe hat Freude und viel Geschick.

Liebe ist ein Himmelslicht,
Liebe erzeugt warme Herzen,
Ach, wäre die Liebe nicht,
es gäbe nur noch Schmerzen.

Anonymus

Nickname 25.11.2009, 21.32 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

Im Herbst ...



Der schöne Sommer ging von hinnen,
Der Herbst, der reiche, zog ins Land.
nun weben all die guten Spinnen
so manches feine Festgewand.
 
Sie weben zu des Tages Feier
mit kunstgeübtem Hinterbein
ganz allerliebste Elfenschleier
als Schmuck für Wiese, Flur und Hain.

Ja, tausend Silberfäden geben
dem Winde sie zum leichten Spiel,
sie ziehen sanft dahin und schweben
ans unbewußt bestimmte Ziel.

Sie ziehen in das Wunderländchen,
wo Liebe scheu im Anbeginn,
und leis verknüpft ein zartes Bändchen
den Schäfer mit der Schäferin.
 
Wilhelm Busch
 

Nickname 24.11.2009, 12.32 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Wilhelm Busch

Das Herz ...

Nickname 22.11.2009, 17.15 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Postkarten

7 Gründe ...



7 Schritte zum Glück,
7 Himmelspforten warten,
7 Weise werden sagen es folgen 7 gute Jahre,
und 7 Sterne bilden den Großen Wagen,
der mich sicher zu dir bringt,
mit seinem Licht aus 7 Farben.

6 Tage noch bis es wieder von vorn beginnt,
6 Stunden Schlaf zwischen Ebbe und Flutm
6 Augen zählt der Würfel den ich warf,
bis ich den richtigen traf,

5 Minuten reichen um sich sicher zu fühlen
und alle 5 Sinne werden wir brauchen,
wenn wir uns wiedersehen.
Durch 4 Jahreszeiten werd ich dich begleiten.
und unter 4 Augen:
In deinen 4 Wänden weiß ich, ich bin in allerbesten Händen
und hätt ich 3 Wünsche frei, dann versprech ich dir,
Ich brauch nicht mal 2,
Denn es bedacht nur eines einzigen, eines wirklich wahren
um das Glück zu erfahren ...

Nickname 20.11.2009, 12.17 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

Ablauf ...



Hast Du Geld, dann bückt sich jeder.
Bist Du arm, dann drückt Dich jeder.
Hast Du Geist, verehrt Dich jeder.
Bist Du schön, begehrt Dich jeder.
Hast Du Witz, belacht Dich jeder.
Bist Du dumm, veracht't Dich jeder.
Bist Du grob, verläßt Dich jeder.
Bist Du fein, hält fest Dich jeder.
Hast Du Herz, dann liebt Dich jeder.
Bist Du stolz, dann flieht Dich jeder.
Giebst Du gern, dann such Dich jeder.
Nimmst Du gern, verflucht Dich jeder.
Bist Du stark, dann schätzt Dich jeder.
Bist Du schwach, verletzt Dich jeder.
Bist Du krank, vermißt Dich jeder.
Bist Du tot - vergißt Dich jeder.

Martin Jaenicke,deutscher Schriftsteller

Nickname 17.11.2009, 22.22 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Junge Dichtkunst

Katz und Maus ...





Nur keine Angst, du kleine Maus,
ich will dich doch nicht fressen.
Das mache ich doch nur Zuhaus,
dort gibts das beste Essen.
Ich möchte einfach nur mal spielen
und dich vielleicht mal necken
und wenn es mich dann überkommt,
dein Bäuchlein einmal lecken.

ext. Bild

Läufst du fort, krieg ich dich doch,
ich bin ein grosser Jäger.
Oft ruft die Nachbarschaft im Hof,
du kriegst sie schon du Streber.

ext. Bild

Doch wie gesagt, ich tu dir nichts,
ich möchte dich nur drücken
und mit dir als eine Art Geschenk,
mein Frauchen dann entzücken.


ext. Bild

Nun mach nicht schlapp, du kleine Maus,
wir sind ja bald zuhause
und lass dich bloß nicht hier so hängen,
brauchst du vielleicht ne Pause.
Katz sei Dank nun sind wir da,
nun lass ich dich mal los.

ext. Bild

übrigens du schmeckst famos.
Aufgeregt kommt Frauchen raus,
sie freut sich so wie ich.
Schon wieder eine tote Maus.
Ich glaub sie meinte dich.

ext. Bild

reichst du mir dennoch deine Hand
darin ein kleines Leckerchen,
mit einem SCHÖNEN DANK.


ext. Bild


Anonymus


Nickname 13.11.2009, 17.50 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kindergedichte

November ...



Solchen Monat muss man loben:
Keiner kann wie dieser toben,
Keiner so verdriesslich sein
Und so ohne Sonnenschein!
Keiner so in Wolken maulen,
Keiner so mit Sturmwind graulen!
Und wie nass er alles macht!
Ja, es ist ’ne wahre Pracht.

Seht das schöne Schlackerwetter!
Und die armen welken Blätter,
Wie sie tanzen in dem Wind
Und so ganz verloren sind!
Wie der Sturm sie jagt und zwirbelt
Und sie durcheinanderwirbelt
Und sie hetzt ohn’ Unterlass:
Ja, das ist Novemberspass!

Und die Scheiben, wie sie rinnen!
Und die Wolken, wie sie spinnen
Ihren feuchten Himmelsthau
Ur und ewig, trüb und grau!
Auf dem Dach die Regentropfen:
Wie sie pochen, wie sie klopfen!
Schimmernd hängt’s an jedem Zweig,
Einer dicken Thräne gleich.

O, wie ist der Mann zu loben,
Der solch’ unvernünft’ges Toben
Schon im Voraus hat bedacht
Und die Häuser hohl gemacht!
So, dass wir im Trocknen hausen
Und mit stillvergnügtem Grausen
Und in wohlgeborgner Ruh
Solchem Greuel schauen zu!

Heinrich Seidel

Nickname 10.11.2009, 20.44 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Heinrich Seidel

Herr Durst ...



Herr Durst ist ein gestrenger Mann,
der lässt sich gar nicht foppen;
ob’s Wetter gut ist oder schlecht,
er geht nicht ab von seinem recht,
er fordert seinen Schoppen.

Und wer ihm den nicht geben will,
den quälet er tagtäglich,
er quält in hier, er quält ihn dort,
er quälet ihn in einem fort
und quält ihn ganz unsäglich.

Da gilt kein Ansehn der Person,
nicht Stand noch Würd’ und Ehren:
Herr Durst, der kehrt bei allen ein,
bei Reich und Arm, bei Groß und Klein
und niemand kann’s ihm wehren.

Ihn rührt kein Ernst, ihn rührt kein Spaß,
kein Pfeifen und kein Singen.
Ihr könnt ihn nicht durch Spott und Hohn,
ihr könnt ihn nicht durch Schmäh’n und Drohn
von seiner Forderung bringen.

Drum macht’s wie ich: Ich bin bereit,
sein Schöpplein ihm zu zollen.
Und lässt er mich dann nicht in Ruh’.
trink ich ihm noch ein zweites zu,
dann hört er auf zu schmollen.

Anonymus

Nickname 05.11.2009, 20.24 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Lustige Gedichte

Herbst ...



Schon ins Land der Pyramiden
Flohn die Störche übers Meer;
Schwalbenflug ist längst geschieden,
Auch die Lerche singt nicht mehr.

Seufzend in geheimer Klage
Streift der Wind das letzte Grün;
Und die süßen Sommertage,
Ach, sie sind dahin, dahin!

Nebel hat den Wald verschlungen,
Der dein stillstes Glück gesehn;
Ganz in Duft und Dämmerungen
Will die schöne Welt vergehn.

Nur noch einmal bricht die Sonne
Unaufhaltsam durch den Duft,
Und ein Strahl der alten Wonne
Rieselt über Tal und Kluft.

Und es leuchten Wald und Heide,
Dass man sicher glauben mag,
Hinter allem Winterleide
Lieg' ein ferner Frühlingstag.

Theodor Storm

Nickname 04.11.2009, 19.53 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Theodor Storm

Haltung ...



In einem schwankenden Schiff fällt um, wer still steht,
und nicht, wer sich bewegt.

Nickname 04.11.2009, 11.06 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Aphorismen

Herbsttag ...



Oh, trübe diese Tage nicht,
sie sin der letzte Sonnenschein,
wie lange und es löscht das Licht
und unser Winter bricht herein.

Dies ist die Zeit, wo jeder Tag
viel Tage gilt in seinem Wert,
weil man’s nicht mehr erhoffen mag,
dass so die Stunde wiederkehrt.

Theodor Fontane




Nickname 01.11.2009, 18.20 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Theodor Fontane

Neue Liebe ...



Herz, mein Herz, warum so fröhlich,
so voll Unruh und zerstreut,
als käm über Berge selig
schon die schöne Frühlingszeit?
Weil ein liebes Mädchen wieder
herzlich an Dein Herz sich drückt,
schaust Du fröhlich auf und nieder,
Erd und Himmel dich erquickt.
Und ich hab die Fenster offen,
neu zieh in die Welt hinein
altes Bangen, altes Hoffen!
Frühling, Frühling soll es sein!
Still kann ich hier nicht mehr bleiben,
Durch die Brust ein Singen irrt,
doch zu licht ist's mir zum Schreiben,
und ich bin so froh verwirrt.
Also schlendr' ich durch die Gassen,
Menschen gehen her und hin,
Weiß nicht, was ich tu und lasse,
Nur, daß ich so glücklich bin.

Joseph Freiherr von Eichendorff

Nickname 01.11.2009, 18.10 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

Glück - Unglück ...



Ist es nicht seltsam,
... dass wir vom Glück glauben,
wir hätten es verdient,
aber vom Unglück denken,
es wäre nicht gerecht?


ext. Bild

Nickname 31.10.2009, 18.42 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Postkarten

Herbstlich sonnige Tage ...




Herbstlich sonnige Tage,
mir beschieden zur Lust,
euch mit leiserem Schlage
grüßt die atmende Brust.
O wie waltet die Stunde
nun in seliger Ruh’!
Jede schmerzende Wunde
schließet leise sich zu.

Nur zu rasten, zu lieben,
still an sich selber zu baun,
fühlt sich die Seele getrieben
und mit Liebe zu schaun.
Jedem leisen Verfärben
lausch ich mit stillem Bemühn,
jedem Wachsen und Sterben,
jedem Welken und Blühn.

Was da webet im Ringe,
was da blüht auf der Flur,
Sinnbild ewiger Dinge
ist’s dem Schauenden
nur Jede sprossende Pflanze,
die mit Düften sich füllt,
trägt im Kelche das ganze
Weltgeheimnis verhüllt.


Heinrich Heine

Nickname 30.10.2009, 18.00 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Heinrich Heine

Herbst-Blues ...



Ach, wäre ich ein Maler,
dann malt ich mir die Welt
in vielen neuen Farben,
bis sie mir gut gefällt.

Für Liebe würd ich nehmen
das Gelb vom Sonnenschein,
denn es wärmt uns´re Herzen
und lässt uns glücklich sein.

Für Treue würd ich nehmen
das schönste wolkenweiß,
denn es lässt uns oft träumen,
ich bring gern den Beweis.

Für Hoffnung würd ich nehmen
das Blau vom Himmelszelt.
weil es, wie die Gedanken
zieht um die ganze Welt.

Für Glaube würd ich nehmen
zu gern mein Herzensrot,
denn ohne jeden Glauben
wär längst die Erde tot.

Für Ehrlichkeit, da wählt ich
vom frischen Gras das Grün,
denn es läßt unser Leben
doch immer neu erblühn.

Doch ich bin nur ein Schreiber
und schreibe, was ich denk
und diese Zeilen mache
ich heut euch zum Geschenk.
ext. Bild


Anonymus

Nickname 30.10.2009, 17.47 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

Erwachen ...




Plötzlich ist alles so
einfach,
was ich auch anfange,
es gelingt mir,
meine Gedanken,
sie fliegen wieder.

Dabei hat sich sonst
kaum etwas verändert,
die Erde dreht sich
immer noch um die Sonne,
der Tag hat 24 Stunden,
der Kalender zeigt
immer noch Winter.

Doch ich fühle,
dass zwischen uns
wieder Frühling ist,
ein Frühling, dem
kein heißer Sommer
folgen wird,
aber ein Frühling,
der alle Jahreszeiten
überdauert ...


Anonymus

Nickname 30.10.2009, 17.36 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

Träume ...


Als ich erkannte,
dass meine Träume nicht fliegen können,
legte ich sie in
bunte Ballone
und sah zu, wie sie stiegen.

ext. Bild

Sah einige zerplatzen,
an Klippen und scharfen Kanten,
sah andere schrumpfen
und zu Boden fallen,
wieder andere wurden
von rohen Händen zerfetzt.

ext. Bild

Doch der größte und schönste
schwebte sanft zu mir zurück.
ext. Bild
Er ließ mich erkennen,
dass mancher Traum wahr wird,
wenn man daran glaubt und
den Mut hat ihn zuzulassen.


Anonymus

Nickname 30.10.2009, 15.40 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Lustige Gedichte

Herbst ...



Ich sah den Wald sich färben,
Die Luft war grau und stumm;
Mir war betrübt zum Sterben,
Und wußt' es kaum, warum.

Durchs Feld vom Herbstgestäude
hertrieb das dürre Laub;
Da dacht' ich: Deine Freude
ward so des Windes Raub.

Dein Lenz, der blütenvolle,
Dein reicher Sommer schwand;
an die gefrorne Scholle
Bbst Du nun festgebannt.

Da plötzlich floß ein klares
Getön in Lüften hoch:
Ein Wandervogel war es,
der nach dem Süden zog.

Ach, wie der Schlag der Schwingen,
das Lied ins Ohr mir kam,
Fühlt' ich's wie Trost mir dringen
zum Herzen wundersam.

Es mahnt' aus heller Kehle
mich ja der flücht'ge Gast:
Vergiß, o Menschenseele,
nicht, daß Du Flügel hast.

Emanuel Geibel

Nickname 27.10.2009, 20.25 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

Elfen-Rätsel ...


Die Elfen sitzen im Felsenschacht,
vertreiben mit Reden die lange Nacht.

Sie legen sich lustig Rätsel vor,
die, wenn sie nicht Gold sind, doch klingen im Ohr.

Und wie ein Windzug dazwischen geht,
so sind samt der Elfen die Rätsel verweht.

Welch Gold entstammt dem Erdschacht nicht?
Ich hörte vom goldenem Sonnenlicht.

Wer borgt sein Silber von fremdem Gold?
Der Mond, der ob unsern Häuptern rollt.

Wo quillt die Trän' aus härtester Brust?
Der Quell im Fels ist mir wohl bewußt.

Wo strömt ein Strom, da kein Strombett ist?
Der Regenstrom, der in Lüften fließt.

Wo ist auf dem Fluß die breiteste 'Brück?
Das Eis ist gebaut aus einen Stück.

Die Flut, die im stetesten Takt sich bewegt?
Das Blut, daß im Herzen des Menschen schlägt.

Wer trauert in seinem buntesten Kleid?
Das ist der Baum zu des Herbstes Zeit.

Wer hat tausend Augen und sieht sie nicht?
Der Strauch, der sie treibt und weiß es nicht.

Wer sah nie von innen sein eigenes Haus?
Die Schnecke, und kommt doch niemals heraus.

Wo hat man den kleinsten zum König gemacht?
Der Zaunkönig wird ausgelacht.

Wo tritt der Schwache den Starken nieder?
Den Erdboden des Menschen Glieder.

Was ist stärker als der Erdengrund?
Das Eisen, dass es macht ihn wund.

Was ist stärker als Eisen und Stahl?
Das Feuer schmelzt sie allzumal.

Was ist stärker als Feuersglut?
Die feuerlöschende Wasserflut.

Was ist stärker als Flut im Meer?
Der Wind, der sie treibt hin und her.

Und was ist stärker als Wind und Luft?
der Donner; sie zittern, wenn er ruft.

Wer ist mächtiger als der Tod?
Wer da kann lachen, wenn er droht.

Und wer, wenn die Erde bebt, kann stehn?
Wer nicht fürchtet unterzugehn.

Warum fließt das Wasser den Berg nicht hinauf?
Weils bergunter hat leichteren Lauf.

Warum trägt Kürbisse der Eichbaum nicht?
Damit sie Dir nicht fallen aufs Angesicht!

Wozu hat der Gaul viel Füße empfahn`
Damit er mit vieren stolpern kann.

Und warum sind die Fische stumm?
Weil sie sonst würden reden dumm.

Wer löset alle Rätsel auf?
Wer immer was weiß, was sich reimet drauf.

Und warum schweig' ich jetzo still?
Weil ich nichts weiter hören will.

Friedrich Rückert

Nickname 27.10.2009, 19.39 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Friedrich Rückert

Der Herbst zieht ein ...



Wenn bunte Blätter fallen,
legt sich ein Tepich aus,
wenn Schritte nicht mehr hallen,
dann zieht der Sommer aus.
Wenn Wolken hoch am Himmel
zum Weinen sind bereit,
wenn Stürme stärker wehen,
vergeht die Sommerzeit.
Wenn dichte Nebel ziehen -
sie hüllen Augen ein -
vor`m Frost die Blätter fliehen,
dann zieht Herbst herein.


Anonymus

Nickname 25.10.2009, 19.57 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

Herbstgedicht ...



Sollst nicht murren,
sollst nicht schelten,
wenn die Sommerzeit vergeht,
denn es ist das Los der Welten
alles kommt und alles geht.

ext. Bild

Nickname 25.10.2009, 19.18 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

Der Baum ...



Schon mal einen Baum umarmt?
Einen großen, dicken, alten?
Hast Du seine Kraft gespürt,
die Naturkräfte, die in ihm walten?
Hast ihm schon mal Dein Leid geklagt?
Dich ausgeweint in seinen Ästen?
Hast Du gehört, was er zu Dir sagt?
Wenn nicht, solltest Du es testen.
Wenn Du Dich freust, umarme ihn auch,
erzähl ihm von Deinem Glück.
Kann sein, dass er von Dir was braucht,
er gibt`s Dir tausendfach zurück.



ext. Bild

Nickname 25.10.2009, 19.15 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

HERBST ...



Astern blühen schon im Garten,
schwächer trifft der Sonnenpfeil.
Blumen, die den Tod erwarten
durch des Frostes Henkerbeil.
Brauner dunkelt längst die Heide,
Blätter zittern durch die Luft
und es liegen Wald und Weide,
unbewegt in blauem Duft.
Pfirsich an der Gartenmauer,
Kranich auf der Winterflucht.
Herbstes Freuden, Herbstes Trauer,
welke Rosen, reife Frucht.


Anonymus

Nickname 25.10.2009, 18.55 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

Einst gab es zwei Menschen ...



ext. Bild



Wie es war und wie es ist ...


Einst gab es zwei Menschen,
die standen mit ihren Ansichten fest im Leben.
Und wie es schien, so konnte es nichts geben,
dass dies zu verändern vermag.

Und doch, es kam der Tag ...
da begannen die Menschen zu wanken,
ihre Gefühle zu schwanken
und ganz leise stellte sich die Frage:

Was kann da noch sein, was ich noch nicht kenne?
Und so groß man auch war, wurde nun klar,
dass es wohl irgendwo noch eine kleine Stelle gab,
die man zu verändern vermag.

Sie lernten sich lieben,
doch ist keiner so wie damals geblieben ...

Manchmal leise und manchmal ganz laut
hat man sich die kleine Stelle ausgebaut ...
und jetzt langsam wurde beiden klar,
wie wichtig das Öffnen ihrer Herzen war.

Anonymus

Nickname 25.10.2009, 18.05 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

:-)

Nickname 25.10.2009, 17.33 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Postkarten

Oktoberlied ...



 
Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
vergolden, ja vergolden!
 
Und geht es draußen noch so toll,
unchristlich oder christlich,
ist doch die Welt, die schöne Welt,
so gänzlich unverwüstlich!
 
Und wimmert auch einmal das Herz
stoß an, und laß es klingen!
Wir wissen's doch, ein rechtes Herz
ist gar nicht umzubringen.
 
Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
vergolden, ja vergolden!
 
Wohl ist es Herbst; doch warte nur,
doch warte nur ein Weilchen!
Der Frühling kommt, der Himmel lacht,
es steht die Welt in Veilchen.
 
Die blauen Tage brechen an,
und ehe sie verfließen,
wir wollen sie, mein wackrer Freund,
genießen, ja genießen!
 
Theodor Storm

Nickname 23.10.2009, 13.45 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Theodor Storm

Der Wundermann ...




In Völksen wohnt ein Wundermann,
Der jede Krankheit heilen kann:
Zahnweh und Friesel und den Mumps,
Die Schwindsucht und den Fuß des Klumps.

Er hat nicht Medizin studiert,
Hat nicht zum Doktor promoviert,
Mit einer Flasche Fliedertee
Kuriert er jedes Ach und Weh.

Kolik und Infaulentia,
Die Wassersucht, das Podagra,
Für Gallenstein, für Hüfteweh,
Für alles hilft der Fliedertee.

Das heißt, dem Wundermann hilft er,
bisher war seine Börse leer,
Jetzt ist stets voll sein Portemonnaie,
So sehr hilft dieser Fliedertee.

Für kalten Brand und dickes Blut
Ist Fliedertee vorzüglich gut,
Für Krätze, Krebs und auch für Gicht,
Bloß gegen Dummheit hilft er nicht.

Hermann Löns, (1866 - 1914),
deutscher Heide- und Liederdichter

Nickname 20.10.2009, 18.22 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Lustige Gedichte

Harvst Platt ...


Ofscheed,
de Natur draggt en neje
Kleed,
farvt de Bladen in bunteext. Bild
Klöör,
Harvst steiht nu vor de
Döör.

Sömmerblomen sünd
utbleiht,
Astern un Heid nu de
Ogen weid,
Appels,Plumen un
Peren riepen
un wi all doont d'r gau
na gripen.

Brusen deit nu weer de
Störmwind,
Draken stiegen laten
will nu elke Kind.

Internetfund


Nickname 18.10.2009, 18.06 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kindergedichte

Schicksal ...



Man muss nie verzweifeln,
wenn einem etwas verloren geht,
ein Mensch, oder eine Freude oder ein Glück;
es kommt alles noch herrlicher wieder.
Was abfallen muss, fällt ab;
was zu uns gehört,
bleibt bei uns,
denn es geht alles nach Gesetzen vor sich,
die größer als unsere Einsicht sind
und mit denen wir nur scheinbar
im Widerspruch stehen.
Man muss sich selber lieben
und an das ganze Leben denken,
an alle seine Millionen Möglichkeiten,
Weiten und Zukünfte,
dem gegenüber es nichts Vergangenes und Verlorenes gibt.

Rainer Maria Rilke


Nickname 18.10.2009, 17.46 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rainer Maria Rilke

Vineta ...



 
Aus des Meeres tiefem, tiefem Grunde
klingen Abendglocken dumpf und matt,
uns zu geben wunderbare Kunde
von der schönen alten Wunderstadt.

In der Fluten Schoß hinabgesunken,
blieben unten ihre Trümmer stehn.
Ihre Zinnen lassen goldne Funken
widerscheinend auf dem Spiegel sehn.

Und der Schiffer, der den Zauberschimmer
einmal sah im hellen Abendrot,
nach derselben Stelle schifft er immer,
ob auch rings umher die Klippe droht.

Aus des Herzens tiefem, tiefem Grunde
klingt es mir, wie Glocken, dumpf und matt.
Ach, sie geben wunderbare Kunde
von der Liebe, die geliebt es hat.

Und dann möcht ich tauchen in die Tiefen,
mich versenken in den Widerschein,
und mir ist, als ob mich Engel riefen
in die alte Wunderstadt herein.
 
Wilhelm Müller  



Anmerkung:

Die Volkssage von der alten prächtigen Stadt Vineta, die zwischenPommern und Rügen in das Meer gesunken sein soll, ist umso poetischer, je weniger das Dasein derselben geschichtlich zu erweisen ist. Die Schiffer hören die Glocken derselben aus dem Grunde des Meeres heraufklingen, und das Wiedererscheinen ihrer Zinnen auf dem Wasserspiegel nennen sie das Wafeln, eine nordische Fata Morgana.

Nickname 17.10.2009, 17.28 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

Bedenke ...



Das Alter:

Man sollte im Alter nicht wunschlos glücklich sein,
denn Wünsche tragen auch immer Hoffnung auf die Zukunft in sich.

Willy Meurer,*1934

Nickname 16.10.2009, 19.40 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Aphorismen

Herbsttag ...



Herr: Es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg Deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
Wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
Und wird in den Alleen hin und her,
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)

Nickname 14.10.2009, 22.28 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rainer Maria Rilke

Bestimmt nicht ...

Nickname 14.10.2009, 20.50 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Postkarten

Wagen ...

Nickname 11.10.2009, 12.03 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Postkarten

Träume ...

Nickname 10.10.2009, 16.27 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Postkarten

Liebe und Schmerz ...



Es traf der Schmerz einmal die Liebe
und klagte ihr sein Leid,
daß niemand auf der Welt ihn möge.
Der Liebe tat das leid.

In Ihrer grenzenlosen Güte
nahm sie ihn zum Gemahl.
Seitdem gehört der Schmerz zur Liebe
grad wie der Berg zum Tal.

Wem diese Hochzeit nicht gefalle,
der mache sich nur klar,
wie oft im Schmerze er der Liebe
so nah gekommen war.

Anonymus

Nickname 09.10.2009, 17.33 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

Worte ...




Ein Wort ist hässlich,
ein anderes schön
Ein Wort zum Hören
und eins zum Verstehen
Ein Wort ist mächtig,
denn Worte sind Macht.
Drum gib auf die Worte,
die Du sprichst, Acht.

Ein Wort kann betören
und Dinge verdrehen.
Ein Wort kann Dich führen,
lässt Neues Dich sehen.
Ein Wort kann Dir helfen,
viel zu entdecken,
doch kann ein Wort auch
manches verstecken.

Ein Wort schafft Welten,
Zeiten und Räume.
Ein Wort bietet
Dir bezaubernde Träume.
Ein Wort hilft Dir
in Kummer und Pein,
doch lässt ein Wort
Dich auch oft allein.

Ein Wort bietet Erlösung,
Hilfe und Rat.
Ein Wort macht aber auch
aus dem Kreis ein Quadrat.
Ein Wort wirkt bezaubernd,
wenn Du es hörst.
Doch hörst Du ein anderes,
ist alles zerstört.

Ein Wort kann kalt sein,
bitter, gemein.
Ein Wort ist oft nicht mehr
als Schein.
Ein Wort ist tödlich
wie härtester Stahl
und schmeckt auch mit Süßstoff
nur bitter und schal.

Ein Wort, das Du hörst
prüf es penibel
und werd dem Gehörten
gegenüber sensibe.l
Versuch zu entdecken,
was hinter ihm steckt
Und was der Sager.

Lerne zu hören,
bevor Du es glaubst,
ehe Dir ein Wort
Deine Hoffnungen raubt.
Höre auf Dein Herz
und nicht auf Dein Ohr
und stelle Dir immer
den Spiegel davor.

Prüfe das Wort,
eh Du es sprichst
ob Du es nicht
schon bald wieder brichst
Und denke daran,
Worte sind Macht.
Darum bitte ich Dich:
Gib auf sie Acht!



Anonymus


Nickname 09.10.2009, 12.18 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

Sommer-Konfession ...




Freudig schwör' ich es mit jedem Schwure
Vor der Allmacht, die mich züchtigen kann:
Wie viel lieber wär' ich eine Hure
Als an Ruhm und Glück der reichste Mann!

Welt, in mir ging dir ein Weib verloren,
Abgeklärt und jeder Hemmung bar.
Wer war für den Liebesmarkt geboren
So wie ich dafür geboren war?

Lebt' ich nicht der Liebe treu ergeben
Wie es andre ihrem Handwerk sind?
Liebt' ich nur ein einzig Mal im Leben
Irgendein bestimmtes Menschenkind?

Lieben? - Nein, das bringt kein Glück auf Erden.
Lieben bringt Entwürdigung und Neid.
Heiß und oft und stark geliebt zu werden,
Das heißt Leben, das ist Seligkeit!

Oder sollte Schamgefühl mich hindern,
Wenn sich erste Jugendkraft verliert,
Jeden noch so seltnen Schmerz zu lindern,
Den verwegne Phantasie gebiert?

Schamgefühl? - Ich hab es oft empfunden;
Schamgefühl nach mancher edlen Tat;
Schamgefühl vor Klagen und vor Wunden;
Scham, wenn endlich sich Belohnung naht.

Aber Schamgefühl des Körpers wegen,
Der mit Wonnen überreich begabt?
Solch ein Undank hat mir fern gelegen,
Seit mich einst der erste Kuss gelabt!

Und ein Leib, vom Scheitel bis zur Sohle
Allerwärts als Hochgenuss begehrt...
Welchem reinern, köstlichern Idole
Nachzustreben, ist dies Dasein wert?

Wenn der Knie leiseste Bewegung
Kraft erzeugend wirkt wie Feuersglut,
Und die Kraft, aus wonniger Erregung,
Sich zu überbieten, nicht mehr ruht;

Immer unverwüstlicher und süßer,
Immer klarer im Genuss geschaut,
Dass es statt vor Ohnmacht dem Genießer
Nur vor seiner Riesenstärke graut ...

Welt, wenn ich von solchem Zauber träume,
Dann zerstiebt zu nichts, was ich getan;
Dann preis' ich das Dasein und ich bäume
Zu den Sternen mich vor Größenwahn!

Unrecht wär's, wollt' ich der Welt verhehlen,
Was mein Innerstes so wild entflammt,
Denn vom Beifall vieler braver Seelen
Frag' ich mich umsonst, woraus er stammt.



Frank Wedekind

Nickname 07.10.2009, 22.05 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

Buch ...



Auch wenn man glaubt in manchen Menschen
wie in einem offenen Buch lesen zu können,
sollte man damit rechnen auf zusammengeklebte
oder herausgerissene Seiten zu stoßen.

ext. Bild

Nickname 07.10.2009, 22.00 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

Heute - Morgen ...



Glück gibt es nur, wenn wir vom Morgen nichts verlangen und vom Heute dankbar annehmen, was es bringt.

Hermann Hesse

Nickname 06.10.2009, 20.00 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hermann Hesse

Die Tür zur Seele ...



Die Augen sprechen ohne zu reden,
sie sind der Seele Tür.
Sie reden lautlos mit Jedem,
der den Blick hat dafür.

Sie reden über glückliche Stunden zu zweit,
die man in Liebe verbracht.,
über traurige Stunden und Herzeleid
und Hoffnung, die in dir entfacht.

Mit der Sprache kann man Menschen belügen,
die aus dem Munde zu dir spricht.
Augen können nur selten betrügen,
denn sie kennen die Lüge nicht.

Ein klarer und glänzender Blick
einen Menschen dir gegenüber,
spricht von Zufriedenheit und Glück,
so sind mir die Menschen lieber.

Wandert der Blick unstetig hin und her,
sucht er Hilfe und Halt.
Der Ausdruck der Augen ist leer
und ihm ist furchtbar kalt.

Augen die kalt und berechnend sind,
lauern ihrer Beute auf.
Stürzen sich auf ihr Opfer geschwind
und nehmen Lügen gern in kauf.

So kann man in den Augen lesen,
Vergangenheit und Zukunft zugleich.
Sie offenbaren die Seele eines Jeden,
ob er arm ist oder reich.



Anonymus

Nickname 06.10.2009, 19.58 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

HERBST ...




Zu Golde ward die Welt;
zu lange traf
der Sonne süsser Strahl
das Blatt, den Zweig.
Nun neig
Dich, Welt, hinab.

Bald sinkt's von droben Dir
in flockigen Geweben
verschleiernd zu
und bringt Dir Ruh,
o Welt,
o Dir, zu Gold geliebtes Leben,
Ruh.

Christian Morgenstern

Nickname 04.10.2009, 19.29 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Christian Morgenstern

Nachteulen ...



Nickname 16.04.2004, 07.00 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Gesammeltes

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